Geschichte

Erste Besiedlung

Zwischen 2000 und 500 v.Ch. siedelten sich die ersten mikronesischen Seefahrer aus südwestlicher Richtung kommend auf den heutigen Marshallinseln an und nannten dieses Gebiet "Aelon Kein Ad" (dt.: "Unsere Inseln") (EMBASSY OF THE REPUBLIC OF THE MARSHALL ISLANDS 2005f). Schon damals stellten die Siedler ihre bis in die Gegenwart bekannten guten Bootsbau- und Navigationskünste unter Beweis (EMBASSY OF THE REPUBLIC OF THE MARSHALL ISLANDS 2005a). Auf den Atollen bildete sich ein Häuptlingswesen heraus, das Ähnlichkeiten mit der polynesischen Gesellschaftsstruktur aufweist. Häufig regierte ein Häuptling ("Iroij") über mehrere Atolle, dennoch waren die Marshallinseln niemals unter einem Häuptling vereint (GALBRAITH, BENDURE, FRIARY, 2000, S. 150f.). Noch bis heute kommt den Häuptlingen eine große Bedeutung in der marshallischen Gesellschaft zu.

Europäische Entdecker

Nachdem der mikronesische Kulturraum 1494 im Rahmen des Vertrags von Tordesillas Spanien zugeschrieben wurde, sichtete der Iberer ALONSO DE SALAZAR am 21. August 1526 als erster Europäer ein Atoll der Marshallinseln (Bokak) (EMBASSY OF THE REPUBLIC OF THE MARSHALL ISLANDS 2005f, SPENNEMANN 2000a). Benannt wurde der Archipel jedoch nach dem britischen Kapitän WILLIAM MARSHALL, der die Inseln 1788 umsegelte und dabei erste Karten anfertigte. OTTO VON KOTZEBUE erforschte die Marshallinseln und deren Einwohner für den russischen Zar auf mehreren Reisen in den Jahren 1816/17 und 1824/25 (SPENNEMANN 2000b). Knapp vier Jahrzehnte später siedelten sich die ersten Missionare zuerst auf Ebon, danach auch auf anderen Atollen an.

Deutsche Kolonialherrschaft

Die frühen 1860er Jahre markieren den Beginn der deutschen Einflussnahme auf die Marshallinseln. Der deutsche Geschäftsmann ADOLPH CAPELLE gründete 1864, fünf Jahre nach seiner Ankunft auf den Inseln, zusammen mit dem Portugiesen JOSE DEBRUM einen Handelsposten auf Ebon. Diesen beiden Kaufleuten folgten in den kommenden Jahrzehnten mehrere deutsche Unternehmen wie Hernsheim & Co. oder Godeffroy & Co., die ihrerseits Handelsstationen auf Ebon, Jaluit, Maloelap, Mili und Namdrik einrichteten. Die Firmen profitierten von den guten Beziehungen zu dem damals einflussreichsten marshallischen "Iroij", der ihnen Land für Kokospflanzungen zur Verfügung stellte. Kopra war zu dieser Zeit das wichtigste Exportgut und blieb es auch bis zum Ende der deutschen Kolonialzeit (MARSHALL ISLANDS VISITORS AUTHORITY 2004).

Im Jahr 1875, nachdem das Deutsche Reich einen Freundschaftsvertrag mit allen wichtigen Häuptlingen der Ralik-Gruppe unterzeichnet hatte, installierte man das erste deutsche Konsulat auf den Marshallinseln. Infolge eines Streits über territoriale und wirtschaftliche Rechte in Mikronesien, kaufte das Deutsche Reich die Marshallinseln 1885 schließlich von Spanien. Man besiegelte den neuen Status als deutsche Kolonie, indem einige marshallische Häuptlinge und der im Namen des Kaisers entsandte Kapitän RÖTGER gemeinsam einen Protektoratsvertrag unterschrieben. Fortan wurde der Archipel von einem Zusammenschluss zahlreicher auf den Marshallinseln tätiger Firmen, der so genannten Jaluit-Gesellschaft, verwaltet. Man führte Steuern ein, die mit Kopra beglichen werden konnten und an die "Iroij" zu entrichten waren. Letztere teilten sich die Steuereinnahmen mit den deutschen Kolonialherren. Zudem besaß die Jaluit-Gesellschaft seit ihrem Bestehen praktisch ein Handelsmonopol auf den Marshallinseln, wodurch ausländische Unternehmen vom Markt verdrängt wurden (MARSHALL ISLANDS VISITORS AUTHORITY 2004). Nach einem Taifun im Jahre 1905 und der damit verbundenen Zerstörung zahlreicher Gebäude, musste die Jaluit-Gesellschaft ihre Aktivitäten jedoch einstellen, so dass die Marshallinseln seit dem 1. April 1906 von einem dem Gouverneur von Neuguinea unterstehenden Bezirkshauptmann verwaltet wurden (GRÜNDER 2000, S. 250).

Japanische Kolonialherrschaft

Das Deutsche Reich hatte auf den Marshallinseln nie militärische Verteidigungseinrichtungen angelegt, weswegen es für Japan zur Zeit des beginnenden Ersten Weltkriegs im Oktober 1914 keine Schwierigkeit darstellte, den Archipel zu besetzen (MARSHALL ISLANDS VISITORS AUTHORITY 2004). Seit 1920 verwalteten die Japaner die Marshallinseln als Völkerbundsmandat. Man verfolgte in dieser Zeit auch die Wiederbelebung des zwischenzeitlich zusammengebrochenen Koprahandels. Im Zuge der Vorbereitungen auf den drohenden Zweiten Weltkrieg errichtete Japan Ende der 1930er Jahre auf Kwajalein, Jaluit, Mili, Wotje, Enewetak und Maloelap große Militärbasen, was den Einmarsch der Alliierten 1944 jedoch nicht verhindern konnte (EMBASSY OF THE REPUBLIC OF THE MARSHALL ISLANDS 2005f; GALBRAITH, BENDURE, FRIARY, 2000, S. 152).

US-amerikanische Kolonialherrschaft und Atomtests

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 standen die Marshallinseln unter US-amerikanischer Administration, womit auch das Zeitalter der Nuklearwaffentests im Pazifik begann. Bereits 1946 wurde auf dem Bikini-Atoll im Rahmen der "Operation Crossroads" die erste Atombombe gezündet (EMBASSY OF THE REPUBLIC OF THE MARSHALL ISLANDS 2005g; GARBE 1991, S.91ff.; WEISGALL 1994). 1948 dehnte das US-Militär die Versuche auf das Enewetak-Atoll aus. Unterdessen gliederte man die Marshallinseln 1947 in das von Amerika verwaltete UN-Treuhandgebiet der pazifischen Inseln ("Trust Territory of the Pacific Islands", kurz: TTPI) ein (EMBASSY OF THE REPUBLIC OF THE MARSHALL ISLANDS 2005f). Sieben Jahre darauf fanden die US-Nuklearwaffentests ihren Höhepunkt mit der Detonation der stärksten je gebauten Wasserstoffbombe "Bravo" auf Bikini (GARBE 1991, S.42f.). Obwohl die Amerikaner ihre Tests 1958 nach insgesamt 67 Versuchen einstellten, leiden die Bewohner der verstrahlten Atolle (z.B. Rongelap) bis in die Gegenwart an den schwerwiegenden Folgen (insbesondere Krebs und Fehlgeburten) (EKNILANG 2000, KEJU-JOHNSON 2000).

Unabhängigkeit

Ein erster bedeutsamer Schritt in Richtung Unabhängigkeit wurde 1965 unternommen. Die amerikanische Verwaltung richtete in diesem Jahr den "Congress of Micronesia" (kurz: COM) ein, an dem Abgeordnete aller TTPI-Inseln teilnahmen. Ziel dieses ersten gesamtmikronesischen Parlaments war die Vorbereitung der Treuhandgebiete auf eine künftige politische Selbstbestimmung. Der Status der vollständigen Abhängigkeit von den USA währte für die Marshallinseln allerdings noch bis 1978, als die verfassungsgebende Versammlung die erste Konstitution des Landes beschloss. Ein Jahr später, am 1. Mai 1979, trat die Verfassung offiziell in Kraft und der Archipel erlangte mit dem Amtsantritt einer eigenen Regierung die innere Autonomie. Während man 1982 den neuen Staatsnamen "Republic of the Marshall Islands" einführte, entschieden sich die marshallischen Wähler in einer Abstimmung 1983 für den so genannten "Compact of Free Association with the United States" (dt.: "Vertrag über die Freie Assoziierung mit den Vereinigten Staaten"). Dieser sieht eine eingeschränkte Unabhängigkeit der RMI und umfangreiche Finanzhilfen seitens der Vereinigten Staaten vor. Im Gegenzug dürfen die US-Militärs weiterhin den 1959 auf Kwajalein errichteten Raketenstützpunkt nutzen und in den Gewässern der RMI frei operieren. Als der US-Kongress den "Compact" am 21. Oktober 1986 billigte, erlangten die Marshallinseln nach knapp 500 Jahren der Fremdherrschaft wieder die politische Souveränität. Infolgedessen hoben die Vereinten Nationen den Status der RMI als Treuhandgebiet auf und nahmen den nunmehr unabhängigen Staat 1991 als Mitglied auf (EMBASSY OF THE REPUBLIC OF THE MARSHALL ISLANDS 2005f, MUNZINGER ARCHIV GMBH 2005)

> zum Quellenverzeichnis